Fachtag zur Multifamilientherapie 2018

Einladung zum Fachtag Multifamilientherapie  

am 22. Juni 2018 09:00-16:00 Uhr an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien

MFT Fachtag Wien Flyer

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe StudentInnen,

wir laden Sie herzlich zu unserem Multifamilientherapie-Fachtag in Wien ein.

Was ist MFT?

Die Multifamilientherapie (MFT) nach Prof. Dr. Eia Asen, basiert auf dem Ansatz der systemischen Familientherapie.

Die Multifamilientherapie ist in Deutschland, der Schweiz, Norwegen, den USA aber vor allem in Großbritannien eine etablierte, simultane Gruppentherapieform. Die MFT bietet Familien in schwierigen Lebenssituationen die Möglichkeit zusammen von einander zu profitieren. Sozial oft isolierte Familien entdecken dabei mit Hilfe der Gruppe, angeleitet von den MFT TherapeutInnen, neue Blickwinkel und erleben sich dabei selbst (wieder) in einer neuen Rolle. Der Fokus soll weg vom “Problemkind” gelenkt werden, hin zu neuen Techniken und Ressourcenfindung.

In der Gruppe besteht die Möglichkeit, problematische Verhaltensweisen und Symptomatiken einer Familie differenzierter zu bearbeiten, da Mitglieder aus anderen Familien neue und andere Perspektiven entwickeln können – vor allem, wenn sie mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Es ist eine allgemeine Erkenntnis, dass Menschen in Konfliktsituationen für das eigene Problem meist eine eingeengte Sichtweise haben, aber eine hohe Sensitivität für ähnliche Probleme bei Anderen. „Diese menschliche Besonderheit kann in der Arbeit mit mehreren Familien genutzt werden, wenn eine Gruppenatmosphäre mit gegenseitiger Anteilnahme, mit Verstehen und Transparenz geschaffen wird.“ (Asen & Scholz, 2012, 15)

Die MFT besteht aus mehreren Gruppen Konzepten. Anwendungsgebiete stellen das ambulante, der stationäre und teilstationäre Bereich, der Kindergarten aber auch die Schule dar.

Peter Laqueur gilt als „Vater“ der Multifamilientherapie. In den 1950er-Jahren begann er in New York, schizophrene PatientInnen und deren Angehörige gemeinsam in Gruppen zu behandeln. Schon er fand, dass gruppentherapeutische Faktoren, wie gegenseitige Unterstützung, gemeinsamer Erfahrungsaustausch, konstruktive Kritik und Modell-Lernen in der Gruppe mit Familien, die ähnliche Probleme haben, hilfreich sind. Im Erwachsenenbereich wird die MFT inzwischen bei verschiedensten Krankheitsbildern eingesetzt. Seit Jahrzehnten gibt es in anderen Ländern bei Kindern, aber auch bei Jugendlichen nicht nur im klinischen, sondern auch im schulischen Bereich und in Jugendhilfeeinrichtungen Mehrfamilientherapie. (Scholz, 2010)

In den letzten Jahren hielt die MFT auch in Deutschland Einzug und gewinnt rasch AnhängerInnen. „Die Kinderpsychiater Eia Asen und Michael Scholz, zwei jung gebliebene ältere Herren mit jahrzehntelanger klinischer Erfahrung und viel Ausstrahlung, haben in London und Dresden die Multifamilientherapie intensiv erprobt und verbreiten ihre Kunst nun quer durch Europa. (…) Im deutschen Sprachraum hat sich um Michael Scholz eine Fachgruppe ‚Multifamilientherapie‘ in der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) gegründet. Multifamilientherapie ist zu einer kleinen Bewegung geworden.“ (Schweitzer in Asen & Scholz, 2012, 11)

Zielgruppe der MFT:

Die Zielgruppen für die Multifamilientherapie sind Familien mit minderjährigen Kindern.  In der Familienklasse finden sich großteils Kinder der Unterstufe, im Alter zwischen sechs und elf Jahren ein. MFT richtet sich insbesondere an entstrukturierte Familien bis hin zu so genannten „Multiproblemfamilien“, die Schwierigkeiten haben ihren Kindern adäquate Entwicklungsbedingungen zu bieten. Die dabei entstandenen Problemlagen und lange andauernden Belastungen fördern Fehlentwicklungen oder können auf Dauer zu einer Kindeswohlgefährdung führen. Durch das MFT Angebot werden Familien mit mehreren Kindern erreicht und miteinander in Beziehung gebracht. Da der Fokus auf der Gesamtfamilie liegt, entfällt der sonst übliche alleinige Blick auf das „Problemkind“.

Was ist die Familienklasse?

Bei der Familienklasse handelt es sich um ein Angebot im Rahmen der Hilfen zur Erziehung, dessen Ziel es ist, dass verhaltensauffällige Kinder lernen, die Regeln der Schule zu akzeptieren und ihren Schultag zu bewältigen. Die Eltern unterstützen die Kinder aktiv dabei, sie machen aber eigene Lernprozesse, indem sie stärker Verantwortung für ihr Kind übernehmen. Mit der gemeinsamen Teilnahme von Kindern und Eltern an der Familienklasse soll eine positive Schulentwicklung ermöglicht, der Verbleib in der Regelklasse gesichert und Schulersatzprojekte vermieden werden. (Schwenzer, 2013,5)

In einer Familienschule von drei bis elf Familien besteht die Möglichkeit, problematische Verhaltensweisen und Symptomatiken einer Familie im schulischen Kontext differenzierter zu bearbeiten, da Mitglieder aus anderen Familien neue Perspektiven entwickeln können – vor allem wenn sie mit ähnlichen Schwierigkeiten in der Schule zu kämpfen haben. Während es für eine Einzelperson oder eine isolierte Familie oft schwer ist die eigene Sichtweise zu verändern, um so Verhaltensweise zu erkennen und zu beheben, gibt es in einer Gruppe von Familien eine Vielzahl von differenzierten Außenperspektiven. Ziel der MFT ist es, dass die einzelnen Familien und ihre Mitglieder die Potenz der Gruppe als Chance für sich selbst erleben. Diese aktive Einbeziehung der Familie bei der Wahrnehmung ähnlicher Probleme bei ihrem Gegenüber stärkt das eigene Selbstwertgefühl und macht Familien offener für die Veränderung der Schwierigkeiten bei sich selbst. (Asen & Scholz, 2012, 15)

Zielgruppen und Einsatz der Familienklasse

Es hat sich gezeigt, dass das Konzept der Familienklasse ein effektiver Ansatz bei vielen Kindern und Jugendlichen sein kann, die massive Schwierigkeiten in Schulen haben, aber wo die Eltern der Schule die Schuld für diese zuschieben. Hier handelt es sich vor allem um Verhaltensstörungen, aggressives Auftreten, Mobbing, Unterrichtsstörungen und Ähnliches. MFT kann auch wirksam bei den verschiedenen Formen der Schulverweigerung eingesetzt werden, sei es bei der Schulphobie (Trennungsangst des Schülers von den Eltern), bei der Schulangst (Angst des Schülers vor Mitschülern, Lehrkräften, Leistungsversagen oder bestimmten Situationen) oder beim augenscheinlich simplen Schulschwänzen.

„In sogenannten Familienklassenzimmern, Familienschulstunden oder gar Familienschulen treffen Familien, in denen ein Kind Schulprobleme oder schulverweigerndes Verhalten zeigt, auf andere Familien in gleicher Problemlage. (…) Eltern, Lehrer und Schüler arbeiten zusammen an der Lösungsentwicklung von Schulproblemen. (…) [um] Familien zu helfen, wieder Hoffnung und Selbstachtung zu gewinnen, wenn Eltern sich selbst und die Erziehung ihrer Kinder aufgegeben haben.“ (Asen & Scholz, 2012, 190f)

Was bieten wir?

Der Fachtag soll dazu dienen den Bekanntheitsgrad der MFT in Österreich zu fördern und Ideen zu liefern, weitere MFT Projekte in Österreich zu etablieren. Die Kick-off-Veranstaltung richtet sich dabei grundsätzlich an TherapeutInnen und alljene Personen (in sozialen Einrichtungen), die an neuen Konzepten interessiert sind und Gruppenangebote für eine spannende Erweiterung halten.

Außerdem bietet der Fachtag einen Vorgeschmack auf die MFT Weiterbildung in Wien, welche im Herbst 2018 stattfinden wird. Die beiden langjährig erfahrenen und in Deutschland im Bereich der MFT angesehen Referentinnen, Frau Karin Bracht aus Berlin und Frau Petra Kiehl aus Hanau, werden sowohl beim Fachtag als auch bei der Weiterbildung durch das Programm führen.

Durchs Programm führen:

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Karin Bracht

Systemische Familientherapeutin (SG), Systemische Supervisorin (SG), Multifamilientherapeutin, Fachleitung Für Multifamilientherapie/Multifamilienarbeit bei Leinerstift Akademie

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Petra Kiehl

Diplom-Sozialpädagogin, Genderpädagogin, Marte Meo Therapeutin, MFT- Coach, Leiterin der Multifamilientherapie im Albert-Schweitzer-Kinderdorf Hanau

Anmeldung:

Anmeldung bitte unter Angabe des Namens, der Kontaktdaten, Teilnehmeranzahl, Berufsbezeichnung (und falls zutreffend Einrichtung) bis zum 25.Mai im Kontaktformular an. 

Bitte geben Sie auch an, an welchem Workshop Sie interessiert sind.

Workshop 1 Petra Kiehl: Familienklasse, MFT im Kindergarten

Workshop 2 Karin Brachrt: MFT im ambulanten/stationärer Bereich, MFT in der Jugendhilfe

Danach erhalten Sie unsere Anmeldebestätigung mit allen notwendigen Informationen zum Fachtag mit der Bitte um Weitergabe der Informationen an interessierte KollegInnen.

ACHTUNG: ihre Anmeldung ist nur gültig, wenn Sie bis zum 25. Mai die Seminargebühr eingezahlt haben.

 

Seminarkosten: € 50,- 

Frühbucherpreis: € 45,- (bis 31.3.2018)

SFU – StudentInnen: € 25,- 

Für SFU- StudentInnen gibt es eine  Ermäßigung, eine Anrechnung im Studienbuch ist für systemische StudentInnen gegebenfalls möglich

Wir freuen uns auf Sie!

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Theodor Haberhauer

Lehrgangsleitung

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